Helligkeit und Nits bei LED-Walls: Welche Werte sind wirklich notwendig?

Tips zu LED-Wänden
19.01.2026
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Helligkeit und Nits bei LED-Walls: Welche Werte sind wirklich notwendig?

Die Helligkeit (Nits) wird in Projekten oft zu früh als Hauptkriterium festgelegt – und dann zu pauschal. Typische Folgen sind überdimensionierte Systeme, unnötige Betriebskosten oder eine Bildwirkung, die im Alltag nicht akzeptiert wird (zu grell im Konferenzraum, zu schwach im glaslastigen Atrium).

Entscheidungsrelevant ist nicht der maximale Datenblattwert, sondern die Frage, welche Leuchtdichte am konkreten Standort dauerhaft beherrschbar ist: Wie viel Umgebungslicht trifft real auf die Fläche? Gibt es Reflexionen durch Fenster, Spots oder glänzende Materialien? Aus welcher Distanz wird gelesen (Text, UI, Daten) oder eher „gesehen“ (Video, Signage)?

Dieser Artikel ordnet Nit-Angaben in praxistaugliche Richtwerte ein (innen/außen), benennt typische Fehlannahmen aus Ausschreibungen und zeigt, wie sich Helligkeit, Regelung, Energieverbrauch und Lebensdauer sinnvoll zusammen denken lassen.

Was ist eine LED-Wall und wie funktioniert sie?

Das Wichtigste in Kürze: Eine LED-Wall ist ein selbstleuchtendes, modular aufgebautes Display. Die sichtbare Helligkeit entsteht direkt in der Fläche – und nicht über eine Projektion – weshalb Umgebungslicht, Regelung und Kalibrierung besonders stark über die Bildwirkung entscheiden.

Eine LED-Wall ist eine modulare Anzeigefläche aus vielen LED-Modulen (Cabinets), die zu einer großen Bildfläche zusammengesetzt werden. Jedes Bildpixel besteht aus einzelnen LEDs (meist RGB), deren Lichtintensität elektronisch geregelt wird. Anders als bei Projektoren ist die LED-Wall ein selbstleuchtendes System: Die Helligkeit hängt nicht von einer Reflexionsfläche ab und bleibt auch bei Umgebungslicht grundsätzlich stabil.

Technisch steuern Sende- und Empfangskarten (Controller und Receiver) die Datenverteilung zu den Modulen. Die Helligkeit wird über Pulsweitenmodulation (PWM) und Stromregelung pro LED bzw. pro Farbkanal beeinflusst. Hohe Bildqualität entsteht nicht nur durch viele Nits, sondern durch das Zusammenspiel aus Farbwiedergabe, Graustufen, Gamma, Kalibrierung und gleichmäßiger Ausleuchtung über die gesamte Fläche.

Für B2B-Entscheider ist wichtig zu verstehen, dass eine LED-Wall mehrere „Helligkeiten“ hat:

Gerade im Signage- und Corporate-Umfeld wird selten dauerhaft Vollweiß gefahren; reale Inhalte haben meist wechselnde Bildanteile, wodurch sich auch die durchschnittliche Leistungsaufnahme verändert.

In Projekten zeigt sich zudem ein Markttrend: Immer mehr Installationen setzen auf feinere Pixelpitches im Innenbereich (für kurze Betrachtungsabstände) und auf energieoptimierte Outdoor-Systeme mit intelligenter Helligkeitsregelung. Die Frage lautet daher nicht „Wie hell kann das System?“, sondern „Welche Helligkeit ist für diesen Standort und diese Nutzung notwendig und dauerhaft beherrschbar?“

Helligkeit bei LED-Walls: Die Bedeutung von Nits erklärt

Das Wichtigste in Kürze: Nits (cd/m²) beschreiben die Leuchtdichte, also wie hell eine Fläche für Betrachter wirkt. In der Praxis entscheidet aber das Zusammenspiel aus Umgebungslicht, Reflexionen und Dimm-/Bildqualität darüber, ob Inhalte wirklich lesbar und angenehm sind.

Nits sind die Einheit für Leuchtdichte, physikalisch cd/m² (Candela pro Quadratmeter). Sie beschreiben, wie hell eine Fläche für den Betrachter erscheint. Für die Praxis bedeutet das: Nits sind aussagekräftiger als Watt, weil sie direkt mit Sichtbarkeit, Kontrast und Lesbarkeit korrelieren.

Ein häufiger Denkfehler ist, Nits isoliert zu betrachten. Entscheidend ist das Kontrastverhältnis im Umfeld: Eine LED-Wall mit 800 Nits kann in einem gedimmten Auditorium überhell wirken, während 800 Nits hinter einer Glasfassade am Tag zu wenig sein können. Zusätzlich beeinflussen Reflexionen (z. B. Sonnenflecken, Deckenleuchten) die wahrgenommene Bildqualität stärker als der reine Nit-Wert.

Für B2B-Anwendungen sollten Sie Nits immer zusammen mit Helligkeitsregelung, Bit-Tiefe und Low-Brightness-Performance bewerten. Wenn die LED-Wall nachts stark heruntergeregelt wird, muss sie weiterhin saubere Graustufen ohne Flimmern oder Banding liefern. Systeme, die nur auf maximale Spitzenhelligkeit optimiert sind, zeigen bei niedriger Helligkeit häufiger Artefakte oder unruhige Farbtemperaturen.

Typische Entscheidungsfragen aus der Praxis lauten:

Welche Nit-Werte benötigen LED-Walls für Innenräume?

Das Wichtigste in Kürze: Innen liegen viele Projekte in Bereichen von 600–1.200 Nits (steuerbare Räume) bis 1.200–2.000 Nits (sehr helle Innenarchitekturen). Maßgeblich sind nicht „möglichst viele Nits“, sondern eine angenehme Betriebshelligkeit plus Reserve und eine saubere Regelung.

Für Innenräume gibt es keine „Einheitszahl“, aber klare Praxisbereiche. In kontrollierten Umgebungen wie Auditorien, Studios oder Konferenzräumen sind 600–1.200 Nits in vielen Projekten ausreichend, weil das Umgebungslicht gezielt geführt werden kann. In hellen, offenen Architekturen mit viel Glas und wechselndem Tageslicht werden häufig 1.200–2.000 Nits benötigt, damit Inhalte auch mittags stabil wirken.

Bei der Festlegung ist die Nutzung entscheidend: Für Präsentationen, Dashboards und Text ist eine moderate, ruhige Helligkeit wichtiger als maximale Strahlkraft. Zu hohe Leuchtdichte führt zu schneller Ermüdung, steigert die Blendgefahr und kann die Farbwahrnehmung verfälschen. In Experience- und Brand-Spaces mit videobasiertem Content kann eine höhere Reserve sinnvoll sein, wenn gezielt „Punch“ gefragt ist und die Umgebung stark schwankt.

Ein bewährter Ansatz ist, zunächst die typische Betriebshelligkeit zu definieren und dann 30–50% Reserve für Ausnahmesituationen einzuplanen. Beispiel: In einem Atrium mit starkem Tageslichteinfall wird eine LED-Wall im Alltag bei 1.200–1.500 Nits betrieben; ein System mit 2.000 Nits Peak bietet dann Reserve für sonnige Wintertage, ohne permanent am Limit zu laufen.

Markttrend im Corporate-Umfeld ist zudem der Einsatz von Helligkeitsautomatik über Umgebungslichtsensoren. Das reduziert Energie, verlängert die Lebensdauer und hält die Bildwirkung konsistent. Entscheidend ist die richtige Parametrierung: Zu aggressive Regelkurven erzeugen sichtbares „Pumpen“, während zu träge Kurven auf plötzliche Lichtwechsel (z. B. Wolken) nicht reagieren.

  • Dunkle/steuerbare Räume: häufig 600–1.200 Nits ausreichend, Fokus auf gleichmäßige Low-Brightness-Qualität.
  • Helle Innenräume (Glas, Atrium, Retail im Gebäude): oft 1.200–2.000 Nits sinnvoll.
  • Reserve einplanen: Ziel ist nicht Dauerbetrieb am Peak, sondern Stabilität und Bildqualität über Tagesverlauf.

Helligkeit von LED-Walls im Außenbereich: Anforderungen und Richtwerte

Das Wichtigste in Kürze: Outdoor bestimmt vor allem direkte Sonne den Bedarf; häufig liegen praxisnahe Bereiche bei 4.500–7.000 Nits. Mindestens genauso wichtig wie Peak-Werte sind Nachtabsenkung, Blendbegrenzung sowie Thermik und Effizienz im Dauerbetrieb.

Im Außenbereich ist die Helligkeit stärker normativ und physikalisch getrieben: Direktes Sonnenlicht und helle Himmelshintergründe erfordern deutlich höhere Leuchtdichten. In vielen Digital-Out-of-Home- und Informationsanwendungen liegen praxisnahe Bereiche typischerweise bei 4.500–7.000 Nits, je nach Standort, Ausrichtung und Verschattung. Für stark sonnenexponierte Flächen kann eine höhere Reserve sinnvoll sein, während in schattigen Passagen oder unter Vordächern geringere Werte ausreichen.

Wichtig ist, dass die erforderliche Helligkeit nicht nur „gegen die Sonne“ arbeitet, sondern auch nachts abgeregelt werden muss. In vielen Kommunen und an verkehrsnahen Standorten gelten Vorgaben zur Nachtleuchtdichte und zur Blendbegrenzung. Ein System, das tagsüber hell genug ist, aber nachts keine saubere, flimmerfreie Dimmung beherrscht, verursacht Beschwerden, kann Auflagen nach sich ziehen und gefährdet im Extremfall den Betrieb.

Outdoor-Helligkeit ist außerdem untrennbar mit Thermik und Witterung verbunden. Höhere Nits bedeuten mehr elektrische Leistung und damit Wärme, die abgeführt werden muss. Moderne Outdoor-LED-Walls setzen zunehmend auf energieeffiziente LED-Chips, optimierte Netzteile und intelligente Steuerungen, um bei gleicher Sichtbarkeit weniger Leistung aufzunehmen. Für B2B-Projekte ist dies relevant, weil Betriebskosten (Strom) und Ausfallrisiken (Hitzestress) die Total Cost of Ownership stärker beeinflussen als der Anschaffungspreis.

Die Standortanalyse sollte daher immer konkret sein: Orientierung nach Himmelsrichtung, direkte Sonneneinstrahlung zu Spitzenzeiten, Abstand zu Straßen (Blendrisiko), Betrachtungswinkel und mögliche Reflexionen durch Glasfassaden. Ein oft unterschätzter Punkt ist die Lesbarkeit aus der Bewegung (z. B. Verkehr, Fußgängerzonen): Hier hilft nicht nur Helligkeit, sondern auch Content-Design, ausreichende Schriftgrößen und ein kontraststarker Look.

  • Typischer Outdoor-Bereich: oft 4.500–7.000 Nits, abhängig von Sonne, Verschattung und Umfeld.
  • Nachtbetrieb: Dimmfähigkeit, Regelkurven und Blendbegrenzung sind mindestens so wichtig wie Peak Nits.
  • TCO-Fokus: Thermik, Effizienz und Steuerung entscheiden über Betriebskosten und Verfügbarkeit.

Faktoren, die den Helligkeitsbedarf Ihrer LED-Wall beeinflussen

Das Wichtigste in Kürze: Der erforderliche Nit-Wert ergibt sich aus Standort, Nutzung und Betriebskonzept. Umgebungslicht ist meist der größte Treiber – Reflexionen, Betrachtungssituation, Regelung und Alterung entscheiden jedoch mit über die tatsächlich benötigte Betriebshelligkeit.

Der benötigte Nit-Wert ergibt sich aus einer Kombination technischer und baulicher Parameter. Umgebungslicht ist der größte Treiber, aber nicht der einzige. In Projekten bewährt sich eine Checkliste, die den Standort und die Nutzung so konkret wie möglich beschreibt, statt pauschale Zielwerte zu übernehmen.

Umgebungslicht und Reflexionen sind in der Praxis häufig der Engpass. Punktuelle Reflexe von Downlights, Fensterfronten oder glänzenden Böden können das Bild stärker beeinträchtigen als „zu wenig Nits“. Deshalb ist die Positionierung (Höhe, Neigung, Ausrichtung) und die Wahl geeigneter Oberflächen/Blendschutzmaßnahmen oft die schnellere Stellschraube als das Hochziehen der Helligkeit.

Betrachtungsabstand und Content beeinflussen, wie hell eine LED-Wall wirken muss. Text, Tabellen und UI-Elemente verlangen höhere wahrgenommene Klarheit, was eher über Kontrast, Homogenität und richtige Gamma-Einstellung erreicht wird als über maximale Leuchtdichte. Video- und Branding-Content toleriert eher leichte Helligkeitsschwankungen, profitiert aber von ausreichend Reserve, wenn helle Szenen dominieren.

Regelung, Kalibrierung und Alterung sind der dritte Faktorblock. LEDs altern, wodurch Helligkeit und Farbbalance über Jahre driften. Ein sinnvoller Puffer und eine saubere Kalibrierstrategie helfen, das gewünschte Erscheinungsbild langfristig zu halten. Für 24/7-Installationen ist zudem relevant, wie stabil die Farbwiedergabe bei unterschiedlichen Helligkeitsniveaus bleibt.

  • Standort: Tageslicht, Kunstlicht, Reflexionen, Blickwinkel, Verschattung.
  • Nutzung: Text/Daten vs. Video, Betrachtungsdauer, typische Content-Helligkeit.
  • Betrieb: 24/7 oder Event, Dimmprofile, Kalibrierung, Alterungsreserve.

LED-Wall Helligkeit vs. Energieverbrauch: Das richtige Gleichgewicht finden

Das Wichtigste in Kürze: Stromkosten und thermische Last hängen in der Praxis stark von Betriebshelligkeit und Content (Average Picture Level) ab. Entscheidend ist deshalb ein realistisches Betriebsprofil – nicht der Maximalverbrauch im Datenblatt.

Mehr Nits bedeuten in der Regel mehr Leistungsaufnahme, aber nicht linear im realen Betrieb. LED-Walls werden selten dauerhaft mit 100% Weiß betrieben; die Leistungsaufnahme hängt stark vom Content (Average Picture Level) und von der eingestellten Helligkeit ab. Für B2B-Entscheider ist deshalb wichtig, nicht nur den Maximalverbrauch aus Datenblättern zu vergleichen, sondern realistische Betriebsprofile zu definieren.

Ein praxisnahes Vorgehen ist, die LED-Wall auf die notwendige Betriebshelligkeit zu dimensionieren und Helligkeitsreserven nur dort einzuplanen, wo sie tatsächlich gebraucht werden. Eine Installation, die im Innenraum dauerhaft mit 1.800 Nits laufen müsste, ist häufig ein Hinweis auf ein Umgebungslichtproblem (z. B. falsche Platzierung, direkte Fensterreflexion). Hier kann eine bauliche oder lichttechnische Anpassung wirtschaftlicher sein als ein System mit deutlich höheren Peak Nits.

Moderne Systeme bieten zusätzliche Hebel: Umgebungslichtsensoren, Zeitprofile (Tag/Nacht), Content-basierte Limitierung und effiziente Netzteile. Diese Funktionen reduzieren nicht nur Stromkosten, sondern auch thermische Belastung, was sich positiv auf Ausfallraten und Wartungsaufwand auswirkt. In der Praxis ist die sauber parametrierte Automatik ein echter TCO-Hebel, der in Ausschreibungen oft zu wenig Gewicht erhält.

Für eine belastbare Entscheidung sollten Sie mindestens drei Werte einfordern bzw. ermitteln:

  • erwartete durchschnittliche Leistungsaufnahme bei typischem Content,
  • Leistungsaufnahme bei „Worst Case“ (heller Content, hohe Helligkeit),
  • und die geplante Betriebszeit.

Erst daraus ergibt sich eine seriöse Abschätzung von Stromkosten, Wärmeabgabe und Anforderungen an elektrische Infrastruktur.

  • Wirtschaftlichkeit: Betriebshelligkeit und Content-Profil bestimmen Kosten stärker als Peak-Werte.
  • Automatisierung: Sensorik und Zeitprofile senken Energie und stabilisieren die Bildwirkung.
  • Infrastruktur: Reale Lastprofile sind entscheidend für Planung von Strom, Klimatisierung und Sicherheit.

Typische Fehler bei der Auswahl der LED-Wall-Helligkeit

Das Wichtigste in Kürze: Häufige Fehler sind die Fixierung auf maximale Nits, das Übersehen der Dimm-/Low-Brightness-Qualität sowie fehlende Standortplanung (Reflexionen, Blickwinkel, Nachtbetrieb). Diese Punkte wirken sich direkt auf Nutzerakzeptanz, Betriebskosten und Genehmigungsfähigkeit aus.

Ein häufiger Fehler ist die Ausschreibung nach dem Motto „höchste Nits gewinnen“. Das führt oft zu unnötig hohen Kosten, höherem Energiebedarf und in Innenräumen zu schlechterer Nutzerakzeptanz. Helligkeit ist kein Qualitätsmerkmal an sich, sondern muss zum Umfeld passen und sauber regelbar sein.

Ebenso verbreitet ist die Verwechslung von Peak Helligkeit mit der Helligkeit, die im Betrieb sinnvoll einstellbar ist. Manche Systeme wirken bei niedrigen Helligkeiten unruhig oder verlieren Farbstabilität, was gerade in Konferenz- und Kontrollraumumgebungen kritisch ist. Wer nur auf Maximal-Nits prüft, übersieht die Performance dort, wo die LED-Wall die meiste Zeit tatsächlich betrieben wird.

Ein weiterer Praxisfehler ist das Ignorieren von Reflexionen und Betrachtungswinkeln. Wenn eine LED-Wall gegenüber einer Glasfront montiert ist oder unter harten Spots hängt, helfen zusätzliche Nits nur begrenzt. Oft ist eine kleine Änderung der Position, eine Anpassung der Beleuchtung oder eine matte Oberflächenstrategie wirkungsvoller als ein Helligkeitsupgrade.

Schließlich wird der Nachtbetrieb im Außenbereich häufig unterschätzt. Wird nachts nicht ausreichend gedimmt, drohen Beschwerden, Auflagen oder Sicherheitsrisiken durch Blendung. Umgekehrt kann zu aggressives Dimmen tagsüber Lesbarkeit kosten, wenn die Regelung nicht sauber auf die Standortbedingungen abgestimmt ist.

Praxisbeispiele: Nit-Werte für verschiedene Einsatzbereiche

Das Wichtigste in Kürze: Richtwerte helfen bei der Einordnung, ersetzen aber keine Standortprüfung. Sinnvoll ist eine Abnahme über Lesbarkeit und Bildwirkung unter definierten Umgebungslichtsituationen – nicht nur über maximale Helligkeit.

Die folgenden Beispiele sind als Richtwerte zu verstehen und sollten mit einer Standortbegehung und Testbildern validiert werden. In B2B-Projekten ist es sinnvoll, eine Abnahme nicht nur über „maximale Helligkeit“, sondern über Lesbarkeit und Bildwirkung bei definierten Umgebungslichtsituationen zu formulieren. So vermeiden Sie Überdimensionierung und sichern die Nutzbarkeit im Alltag.

Konferenzraum im HQ: Typisch sind 600–1.000 Nits, sofern das Licht kontrollierbar ist und keine direkte Sonneneinstrahlung auf die Fläche trifft. Priorität haben gleichmäßige Graustufen, flimmerfreie Dimmung und korrekte Farbwiedergabe für Hauttöne und Markenfarben. Die Wand sollte bei Präsentationen „ruhig“ wirken, nicht wie eine Leuchtreklame.

Atrium oder Lobby mit Glasfassade: Häufig 1.200–2.000 Nits, je nach Ausrichtung und Tageslichtspitzen. Hier ist eine Helligkeitsautomatik mit sinnvoller Regelkurve hilfreich, um morgens/abends nicht zu grell zu sein und mittags Reserven zu haben. Zusätzlich lohnt die Prüfung von Reflexionsquellen, weil punktuelle Spiegelungen die Lesbarkeit stärker stören als ein zu niedriger Mittelwert.

Retail im Gebäude oder Showroom: Oft 1.000–1.800 Nits, abhängig von Akzentbeleuchtung und gewünschter „Strahlkraft“. Bei sehr hellen Decken-Spots kann eine höhere Reserve sinnvoll sein, gleichzeitig sollte die LED-Wall nicht die gesamte Lichtstimmung dominieren. In der Praxis gewinnt eine klare Content-Gestaltung (Kontrast, Schrift, Bewegung) häufig mehr als zusätzliche Nits.

Outdoor-Fassade in urbaner Lage: Typisch 5.000–7.000 Nits mit verlässlicher Nachtabsenkung. Entscheidend sind Genehmigungsauflagen, Blendbegrenzung und eine robuste Regelung für Wetter- und Lichtwechsel. Für Betriebssicherheit sollten Sie zudem thermische Reserven, Servicezugang und Monitoring einplanen.

Häufige Fragen (FAQ)

Wie valide ich vor Ort die erforderliche Helligkeit einer LED-Wall?

Nutzen Sie Luxmessungen an den geplanten Montagepunkten und dokumentieren Sie Reflektionen, Betrachtungswinkel und typische Content-Helligkeiten. Ergänzen Sie die Messdaten durch strukturierte Testbilder (Gitter, Graustufen, Farbfelder) und definieren Sie klare Abnahmekriterien für Lesbarkeit, Uniformität und Dimmverhalten. Ein Protokoll mit Sollwerten für ΔE, Flicker und Helligkeitskurve stellt sicher, dass Lieferanten die Betriebshelligkeit belegen.

Wie errechne ich den passenden Nit-Wert aus vorhandenen Lux-Messungen?

Orientieren Sie sich daran, wie viel Umgebungslicht auf die Fläche fällt und berücksichtigen Sie Reflexionsquellen; für jede Lux-Stufe sollten Sie eine Sicherheitsmarge festlegen (z. B. 4.500 Lux → ca. 5.000–6.000 Nits bei Außen). Nutzen Sie Tools oder Tabellen, die Lux in Nits umrechnen unter Einbezug des erforderlichen Kontrasts und der Content-Dynamik. Wichtig ist, dass die berechneten Nits als Betriebshelligkeit gelten, nicht als Peak-Wert.

Welche Anforderungen sollten Ausschreibungen an Dimm- und Low-Brightness-Performance stellen?

Formulieren Sie Mindestanforderungen an flimmerfreie Dimmung, PWM-Frequenzen und Bit-Tiefen bei niedriger Helligkeit sowie die Fähigkeit zur Kalibrierung im gesamten Betriebsbereich. Prüfen Sie, ob Hersteller Messwerte für Delta-Gray-Tracking, Kontrast bei 10–40% Helligkeit und Flicker bei Nachtbetrieb liefern. Eine klare SLA für Dimmregelungen verhindert sichtbares Pumpen oder Banding in 24/7-Umgebungen.

Wann reicht eine Standard-LED-Wall und wann ist High-End erforderlich?

Standardlösungen genügen für moderate Indoor-Anwendungen mit kontrolliertem Licht und einfachen Content-Profilen, solange Dimmqualität, Wartbarkeit und homogene Flächen gewährleistet sind. High-End-Systeme lohnen sich bei mission-critical Content, kurzen Betrachtungsabständen, anspruchsvoller Kalibrierung oder bei Outdoor-Installationen mit hohen Helligkeits- und Nachtanforderungen. Entscheidend ist, welche Anforderungen an Uniformität, Degradation-Management und Monitoring bestehen.

Wie wirken sich Nits und Average Picture Level (APL) auf die Betriebskosten aus?

Die tatsächliche Leistungsaufnahme ergibt sich aus der definierten Betriebshelligkeit und dem APL des Contents – je heller der Durchschnitt, desto höher der Stromverbrauch und die Wärmeentwicklung. Fordern Sie reale Lastprofile für typischen Content, Worst-Case-Szenarien und geplante Betriebszeiten an, um Infrastruktur und Klimatisierung zu dimensionieren. Sensorik, Automatikprofile und effiziente Netzteile reduzieren Kosten und schont die thermische Reserve.

Welche Checkliste hilft, Überdimensionierung zu vermeiden?

Stellen Sie Kriterien zu Standort (Lux, Reflexionen, Blickwinkel), Betrachtungsentfernung und Content-Anforder-ungen zusammen, bevor Nit-Werte definiert werden. Ergänzen Sie diese um Anforderungen an Regelung, Kalibrierung und Alterungsreserve statt nur Peak-Werte zu vergleichen. Eine solche Checkliste erleichtert die Entscheidung über notwendige Reservekapazitäten und vermeidet unnötige Kosten.

Fazit

Die „richtige“ Helligkeit einer LED-Wall ist eine standort- und nutzungsabhängige Entscheidung, keine Zahl aus dem Datenblatt. Innen sind häufig 600–1.200 Nits (kontrolliert) bis 1.200–2.000 Nits (sehr hell) praxistauglich; außen liegen viele Anwendungen bei 4.500–7.000 Nits mit konsequentem Nacht-Dimmkonzept. Wer Umgebungslicht, Reflexionen, Content und Regelung gemeinsam plant, erhält bessere Bildqualität und niedrigere Betriebskosten als mit einer reinen „mehr Nits“-Strategie.

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Article by

Kampro

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